Häufig gestellte Fragen zum Gemeinschaftsamt

Zum Projekt

Das Gebäude war nach der Wende das Finanzamt und davor die Stasi-Bezirkszentrale. Also gebaut und genutzt immer als Verwaltungsstandort. Und diese Geschichte wollten wir in dem Namen widerspiegeln. Deshalb der Begriff Amt.
Aber natürlich geht es uns hauptsächlich um die Gemeinschaft. Und deshalb kann man sagen Gemeinschafts-amt. Man kann aber auch sagen Gemeinschaft-samt. Wie man möchte - Hauptsache, es wird Realität.
Zuallererst: Werde Mitglied in der Genossenschaft, denn nur, wenn wir genügend Genossenschaftsanteile sammeln, können wir dieses Gelände erwerben.
Aber auch andere Formen des Engagements sind möglich. Zum Beispiel kannst du dich in unseren Arbeitsgruppen engagieren, bei unseren Veranstaltungen mithelfen oder uns einfach unterstützen, indem du anderen von diesem Projekt erzählst und vielleicht auch darüber neue Genossenschaftsmitglieder für das Projekt gewinnst.

Zum Gelände

Es geht um Teile der ehemaligen Stasi-Bezirkszentrale in Halle-Neustadt. Dazu gehören das Hauptgebäude und das direkt angeschlossene Sozialgebäude. Weiterhin noch Garagen auf der Rückseite und ein weiteres Gebäude in einer Nebenstraße. All diese Gebäude gehören derzeit noch dem Land Sachsen-Anhalt. Das Hauptgebäude und das Sozialgebäude wurden bis Ende 2016 vom Land als Finanzamt genutzt.
Wir befinden uns hier am östlichen Rand von Halle-Neustadt, direkt am Gimritzer Damm, welcher Neustadt von der Peißnitz trennt.
Richtung Norden liegt gleich nebenan die Stasi-Unterlagenbehörde. Dann schauen wir schon in Richtung Heide-Süd mit den Wissenschaftsinstitutionen sowie dem Campus der Universität.
In Richtung Süden und Westen beginnen die Wohnblocks von Halle-Neustadt.
Zum einen die Lage: Von Neustadt selbst aus ist der Ort direkt erreichbar, ebenso aus Heide Süd. Auch zum Hauptbahnhof kommt man mit der Straßenbahn in nur 17 Minuten. Auch vom Design-Campus der Burg ist es kürzer als bis zum Markt. Dadurch wären wir von allen Seiten aus gut erreichbar und gewissermaßen zentral gelegen.

Aber Halle-Neustadt selbst braucht auch zusätzlichen erreichbaren und bezahlbaren Raum des sozialen Arbeitens und Lebens. In der Ursprungsplanung dieser Planstadt, hatte Richard Paulick ein großes Kulturzentrum mitten im Zentrum von Halle-Neustadt vorgesehen. Dort, wo sich jetzt das Neustadt-Zentrum befindet.
Dieses wurde aber leider nie gebaut. Und so fehlt es an Räumen für soziale und kulturelle Träger hier in Halle-Neustadt, aber auch in Heide Süd. Und es braucht hier auch neue Menschen, die in diesen Bereichen aktiv sind. 
Mit diesem Gelände können wir dieses Dilemma ein kleines Stück lösen und Halle-Neustadt ein großes Stück attraktiver machen.
Es handelt sich um das Hauptgebäude der ehemaligen Staatssicherheits-Bezirkszentrale in Halle. Sie war die zweitgrößte Bezirkszentrale der DDR. 
Hier haben in den 80er Jahren über 3000 Menschen gearbeitet. Das Hauptgebäude ist 1967/68 errichtet worden. 
Es handelt sich dabei um einen Skelettbau. Das heißt, es ist keine klassische Plattenbauarchitektur und die Fassadenelemente haben keine stützende Wirkung. Zu DDR-Zeiten hat man 13 Millionen DDR Mark für dieses Hauptgebäude allein ausgegeben und sehr hochwertig für damalige Zeiten gebaut. Wir sehen Fassadenelemente aus Stahlbeton mit Aluminiumverkleidung, Alufenster und Alutüren im Außen- und im Innenbereich und Echtstein auf den Treppen.

Das Sozialgebäude entstand wenige Jahre später mit ähnlichen Bauelementen. Auf der Rückseite entstanden Stück für Stück weitere Gebäude. Zuerst der kleinere Garagenkomplex, der mitverkauft werden soll, den wir also auch zukünftig nutzen wollen. Aber auch eine sehr große Garage, die damals als Werkstatt genutzt wurde, um zum Beispiel Fahrzeuge zu reparieren oder umzubauen. Diese große Garage gehört jetzt zu PS Union, einem großen Autohaus auf der Westseite dieses Geländes.
Rund um das Hauptgebäude, also davor und dahinter und zwischen den Garagen, gehört doch einiges an Freiflächen zu dem Areal. 
Und das ist genau das, was diesen Ort so attraktiv macht. Man kann auf das Gemeinschaftsamt oder zum Gemeinschaftsamt kommen, ohne ein Haus betreten zu müssen. Auch im Außenbereich können wir schon Menschen empfangen, Aktionen machen, gemeinsam auf Hochbeeten Gärtnern oder eine Freilichtbühne bespielen. Viele spannende Möglichkeiten, welche nur genügend Kreativität und Engagement voraussetzen.
Die Hauptgebäude und das Sozialgebäude und auch die Garage dahinter gehören alle noch dem Land Sachsen-Anhalt. Diese wurden durch das Land bis 2016 noch als Finanzamt genutzt.
Wir hatten vor einem Jahr die Möglichkeit, uns die Räume innen anzusehen. Und ja, es gab natürlich auch Vandalismus, aber der hält sich in Grenzen. Hauptsächlich fehlen Kabel für die Elektrik und einige Thermostate an den Heizkörpern. Ansonsten ist die Bausubstanz noch sehr gut. So gut, dass vor vier Jahren, also im Jahr 2021, die Werkleitz-Gesellschaft in dem Sozialgebäude, was ihr hinter mir seht, ein Festival veranstaltet hat. Dafür musste sie einige Sicherungs- und Reparaturmaßnahmen durchführen. Die hielten sich aber von den Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich.
Das ganze Gelände, inklusive des Wachturms, befindet sich unter Denkmalschutz. Das heißt, abreißen und neu bauen ist schon keine Option. Aber uns ist auch wichtig, dass das Gelände erhalten bleibt. Es ist ein Zeugnis der Repressionsgeschichte. Und außerdem haben wir so die Chance, ein Gebäude nachzunutzen und mit wenig Kosten an andere weiterzuvermieten.
Wie gesagt, es handelt sich um keinen klassischen Plattenbau, sondern um einen Skelettbau mit eingehängter Fassade. Die Räume dahinter sind sehr unterschiedlich. 
In den unteren Etagen haben wir Räume zum Teil zwischen 120 und 70 Quadratmeter. In den oberen Etagen werden die Räume kleiner. 
In den obersten zwei Etagen liegen die Räume bei 17 bis 35 Quadratmeter. 
Und dazu kommt auch noch das Sozialgebäude. Dort befinden sich zum Beispiel ein großer Saal mit fast 600 Quadratmeter Größe, mehrere kleine Säle zwischen 250 und 100 Quadratmeter und ein sogenanntes Atrium, also eine Art Dachterrasse von etwa 350 Quadratmeter. 
Viel Platz für ganz unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten!
Die Stasi-Unterlagen-Behörde erinnert daran, dass dieses Gelände und natürlich auch die von uns zu erwerbenden Gebäude Bestandteil der Bezirkszentrale der Stasi des Bezirkes Halle waren. Ein Ort der Repressionsgeschichte. Und es ist uns wichtig, dass diese Geschichte und was das für die Menschen hier bedeutete, in Erinnerung bleibt. 
Daher werden schon unsere ersten Projekte sich auch mit der Geschichte des Geländes beschäftigen. Wir wollen beispielsweise gemeinsam mit Schulklassen Projekte entwickeln, wo sie lernen und erfahren, was hier passiert ist und was das Gelände mit den Menschen der Umgebung gemacht hat.
In 300 Meter Entfernung in diese Richtung befindet sich die Saale. Und ja, es gab im Jahre 2013 ein Hochwasser, was so hoch kam, dass der Damm, der Halle-Neustadt schützen sollte, fast nicht mehr ausgereicht hätte. Natürlich drückt Wasser nicht nur von oben, sondern auch von unten. 
Und das war das Problem 2013, denn in diesem Gebäude liefen die Keller voll. Aber wurde durch die neue Pumpengalerie für die Zukunft gelöst. Diese ist wesentlich umfangreicher und moderner ausgestattet als damals und soll auch im Hochwasserfall in der Lage sein, das ansteigende Grundwasser entsprechend abzupumpen, sodass auch in Zukunft, wie jetzt schon, das Gebäude immer trockene Füße hat.

Zum Hauskauf

Im Jahr 2026 möchte das Land Sachsen-Anhalt den beschriebenen Komplex am Gimritzer Damm verkaufen. Wir als Genossenschaft wollen sie erwerben. Das heißt, sowohl das Hauptgebäude als auch das Sozialgebäude und die dahinterliegenden Garagen und das umliegende Gelände, welches dazugehört.
Noch wissen wir nicht genau, wie viel das Land für das Gelände und die Gebäude haben möchte. Aber es gibt erste Orientierungswerte. Diese bewegen sich unter einer Million Euro. Unser Ziel ist, bis zum Sommer 2026, etwa Genossenschaftsanteile für 250 oder 300.000 Euro zusammen zu haben. Dieses Geld, zusammen mit Bürgschaften und einem Kredit, sollte genügen, um den Kaufpreis zu realisieren.
Falls es wirklich passieren sollte, dass wir das Gelände nicht kaufen können, dann können wir uns gemeinsam als Genossenschaft überlegen, ob wir uns 
a) wieder auflösen und jeder bekommt seinen Genossenschaftsanteil zurück, oder 
b) uns nach einem neuen Objekt umschauen und versuchen, dieses zu erwerben. 
So oder so, entscheidend ist dann die Mitgliederversammlung. Das heißt: alle, die jetzt Genossenschaftsmitglieder werden, entscheiden in diesem Fall mit, was zukünftig passiert.

Zur Genossenschaft

Eine Genossenschaft ist eine Rechtsform, die es in Deutschland schon sehr, sehr lange gibt. Entstanden ist sie gar nicht so weit weg von hier, in Delitzsch vor über 150 Jahren. 
Sie ist eine Rechtsform, die zuallererst mal dafür da war, dass sich Menschen zusammentun und gemeinsam sich etwas anschaffen, was sie brauchen, zum Beispiel für ihre Arbeit. Das heißt, Schuster taten sich zusammen, um sich beispielsweise Werkbänke zu besorgen, die sie gemeinsam nutzten. Später kamen dann auch Wohngenossenschaften dazu, und ein ähnliches Modell haben auch wir vor. Nur dass man bei uns nicht wohnt, sondern arbeitet und seine Freizeit verbringt, also gewissermaßen eine Arbeits- und Freizeit-Genossenschaft. 
Da wir zudem eine gemeinnützige Genossenschaft sind, heißt es, dass wir können keine Gewinne ausschütten. Alle Profite gehen fließen direkt in das Projekt Gemeinschaftsamt. Dennoch können wir Spenden entgegennehmen und diese entsprechend quittieren.
Zum ersten: Mit deinen Genossenschaftsanteilen machst du es möglich, dass der Traum, dass dieses Gelände zukünftig und für immer für soziale und kulturelle Zwecke zur Verfügung steht, Wirklichkeit wird. 
Wenn du Genossenschaftsmitglied wirst, kannst du auch mitbestimmen, denn die Mitgliederversammlung legt fest, wo der Kurs zukünftig hingeht. Du kannst damit auch anderen ermöglichen, diese Räume zu nutzen, oder auch selber zum Nutzer oder Nutzerin kostengünstiger Räume in diesem Gebäude werden.
Die Genossenschaft ist dafür da, dass viele sich zusammentun, um gemeinsam einen Kapitalstock zu bilden, um etwas zu erwerben, zum Beispiel in unserem Fall dieses Gebäude mit dem zugehörigen Gelände. 
Mit euren Genossenschaftsanteilen finanzieren wir einen Teil des Kaufpreises. Die Genossenschaftsanteile sind eine Einlage, welche bei Austritt wieder ausgezahlt wird. Es ist somit eine Geldanlage für einen guten Zweck. 
Ein Genossenschaftsanteil kostet euch 200€. Zu Beginn hätten wir gern zwei, das heißt, 400€ ermöglichen Einstieg in die Gemeinschaftsamt Gemeinnützige eG.
Da ist der Weg nach oben offen. Aber das Prinzip einer demokratischen Genossenschaft ist, dass du trotzdem nur eine Stimme hast, egal, wie viele Anteile du erwirbst. Das heißt, auch der Künstler, die Künstlerin, die sich nur zwei Anteile leisten kann, ist in der Genossenschaftsversammlung gleichberechtigt mit den Personen oder Institutionen, die eventuell 10 oder noch mehr Anteile erworben haben.
Wenn wir das Haus erworben haben, werden wir die Räume vermieten. Und jeder, der mietet, muss auch Anteile erwerben, wie bei einer Wohnungsgenossenschaft. 
Wir sind der Meinung, dass ein Anteil pro fünf Quadratmeter fair sind. Gleichzeitig ist klar, dass wir zu Beginn möglichst viel Geld für den Erwerb des Geländes brauchen. Deshalb haben wir uns entschieden, dass es zum Einstieg zwei Anteile braucht, um mitzumachen, also 400€. Dieses Vorgehen ist bei anderen Genossenschaften auch üblich.
Einen Genossenschaftsanteil kann man nicht verlieren. Was aber im schlimmsten Fall passieren kann, ist, dass die Mitgliederversammlung, also auch du als Mitglied, beschließt, mögliche Verluste, die die Genossenschaft gemacht hat, auf die Anteile vorzutragen. Das heißt, der Anteil reduziert sich. Ist dann zum Beispiel statt 200 Euro nur noch 180 Euro wert.
Das passiert nicht automatisch. Das muss die Genossenschaftsversammlung beschließen und es gibt Alternativen. Man kann zum Beispiel den Verlust ins Folgejahr vortragen.
Aber können wir denn überhaupt jetzt schon Verluste machen? Nein. Denn die neu gegründete Genossenschaft hat aktuell keine oder fast keine laufenden Kosten. Das heißt, wir verbrauchen kein Vermögen und können somit aktuell auch keine Verluste schreiben.

Zur Mitnutzung

Unser Ziel mit dem vielen Platz ist folgendes: Einen Ort zu schaffen, wo viel Platz ist und wo nicht ganz viele um wenig Raum konkurrieren müssen und dann die gewinnen, die das meiste Geld bezahlen. 
Wir möchten ein Ort sein für möglichst viele, die im sozialen und kreativen Bereich, aber auch darüber hinaus unterwegs sind.
Ob Büroräume für soziale Träger, Proberäume für Bands, Ateliers oder Werkstätten, Pop-up-Stores und Galerien in den Garagen oder auch einfach Lagerfläche. 
Ob Veranstaltungen im Sozialgebäude, Galerien, ein großer Ausstellungsraum – all das soll in diesem Gebäude möglich werden, sogar dauerhaft. Nie wieder soll ein sozialer Träger in ausziehen, weil der Eigentümer jemanden gefunden hat, der mehr Geld für die Miete bezahlt. Wer einmal hierher kommt, kann so lange bleiben, wie er möchte.
Wir gehen davon aus, dass in 2026 der Verkauf über die Bühne geht. Wenn alles gut geht, können wir schon Anfang 2027 die ersten Räume für eine Vermietung zur Verfügung stellen. 
Aber Achtung: wer mieten möchte, muss Genossenschaftsmitglied werden. Und wer will, dass das unbedingt Realität wird, sollte das so schnell wie möglich tun!
Ganz genau können wir das natürlich noch nicht sagen, unser Ziel ist natürlich so niedrig wie möglich.
Deshalb geht es darum, die bestehende Bausubstanz zu erhalten und so schnell wie möglich in Nutzung zu gehen. Das heißt auch, dass die Räume in einem einfachen Zustand sein werden. Strom und Heizung, Türen und Fenster sind natürlich vorhanden, aber zum Beispiel ist der Bodenbelag noch aus den 90ern. Wer will, muss selbst aufrüsten. So hoffen wir, dass die Miete im Bereich unter 5 Euro bleibt.
Ja, auch das wird möglich sein, zum Beispiel in den Garagen, aber auch im Haus. 
Wer unter 12 Monate mietet, muss auch nicht Genossenschaftsmitglied werden.